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Stadterweiterung Reykjavik

Diplomarbeit von Peter Klein aus dem Jahr 2001 am Städtebaulichen Insitut der Universität Stuttgart

Städtebauliches Institut
Prof. Dipl.-Ing. Trieb
Prof.Dr.-Ing. Reuter


Auf der Grundlage einer Machbarkeitsstudie zur Verlegung des Inlandsflughafens in Reykjavik soll ein städtebaulicher Entwurf erstellt werden. Dabei soll die langfristige Nutzung des ehemaligen Flughafengeländes zur Erweiterung der naturräumlich eng begrenzten Halbinsel dienen. Neben der langfristigen stadtplanerischen Entwicklung, ist auch die Stadtgestaltung im Zusammenhang mit den speziellen Klimaverhältnissen auf Island Rechnung zu tragen.
Die Entwurfsbeschreibung

Anlass
Am 18. Februar 2000 gab die Stadt Reykjavík eine Studie in Auftrag, welche die Untersuchung einer möglichen Verlegung des Inlandsflughafens zum Gegenstand hatte. Inhalt der Studie war vor allem eine wirtschaftlich / technische Machbarkeitsanalyse des Vorhabens, bei der ein Neubau gegen die Zusammenlegung mit dem internationalen Flughafens Keflavík abgewogen wurde.
Das Vorhaben hat im Wesentlichen drei Motivationen:

  • Kapazitätserweiterung bei Inlandsflügen und Optimierung der Verbindungen
  • Emissionsentlastung für die Innenstadt Reykjavíks
  • Konversion des Flughafenareals zugunsten von Siedlungs- und Gewerbegebieten

Die Studie kam zu dem Schluss, dass eine Verlegung zum internationalen Flughafen Keflavík das wirtschaftlich sinnvollste darstellt. Dabei wurde auch hervorgehoben, dass eine zusätzliche Verbindung zwischen Reykjavík und Keflavík hergestellt werden muss, entweder im Ausbau der Strasse 41 oder im Neubau eines Schnellbahnsystems.

Dieses Diplom soll die mögliche städtebauliche Konversion des ca. 160ha grossen Flughafenareals zusammen mit den angrenzenden Gebieten darstellen.

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Stadtcharakter
Reykjavík war die erste Ansiedlung in Island, gegründet von dem norwegischen Siedler Ingólfur Arnarson im Jahr 874. Der Name Reykjavík stammt von ihm und bedeutet Rauchbucht. Er errichtete seinen Wohnsitz, ein Stein-Torfgehöft, in einer Niederung, Kvosin, zwischen dem See Tjörnin und dem Hafen. Die heutige Aðalstræti war der Verbindungsweg vom Hof zum Meer.

Mit der Niederlassung der hauptsächlich wollverarbeitenden Unternehmen entstanden entlang der Aðalstræti um 1752 die ersten Gebäude, die nicht zum Hof gehörten. Im Jahr 1785 wurde der Bischofssitz von Skálholt nach Reykjavík verlegt und ein Jahr später erhielt Reykjavík Stadtrechte. Im Jahr 1806 wurde das kleine Dorf GrjótaÞorp, welches sich um das Gehöft Grjóti westlich der Aðalstræti gebildet hatte, eingemeindet.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts war Reykjavík bereits unumstritten die Hauptstadt Islands, Zentrum für Verwaltung, Handel, Kirche, Erziehung und Kultur. Die Strasse Laugarvegur stellte eine Verbindung zu den heissen Quellen im Laugardalur her, wo die Bewohner Reykjavíks ihre Wäsche waschen konnten. Der Ort begann aus Kvosin heraus zu wachsen, zunächst entlang der Vesturgata. Strassenzüge wie Þingholtstræti, Styrimannastígur, Miðstræti und Tjarnargata entstanden, und mit der Übergabe der Regierungsgewalt von Dänemark an Island im Jahr 1904 begann in Reykjavík der Bau von Verwaltungs- und Bildungseinrichtungen.

Der erste Bebauungsplan der Stadt stammt aus dem Jahr 1927 und wurde von Staatsarchitekt Guðjón Samúelsson für das Gebiet Skólavörðuholt erstellt. Er sah eine Reihe von öffentlichen Gebäuden vor, die das kulturelle Zentrum der Stadt bilden sollten. Diese Idee wurde wieder verworfen, und an der Stelle der geplanten Zitadelle wurde 1945 mit dem Bau der Hallgrimskirche begonnen. Der Stadtarchitekt Einar Sveinsson entwarf die Bebauungspläne für die Gebiete Norðurmýri und Melar nach funktionalistischen Richtlinien, und bis in die Mitte der 1950er Jahre überwogen flache, dichte Bauweisen in den meisten Gebieten Reykjavíks, wenngleich auch viergeschossige Apartementgebäude, Reihenhäuser und kleine freistehende Einzelhäuser entstanden.

Im Jahr 1955 plante man erstmals acht- bis zwölfgeschossige Wohnblocks, die im Heimar Gebiet gebaut wurden. Der dänische Stadtplaner Peter Bredsdorff der an einer Stadtplanung arbeitete, riet 1960 für die zukünftigen Planungen zur höchstens dreigeschossigen Bauweise. Dies wurde wie in den Gebieten Árbær, Breiðholt und Fossvogur, bis nach 1970 befolgt.

In den 1970er Jahren regte sich allgemeiner Widerstand gegen den Plan, im alten Teil der Stadt Platz zu schaffen für neue Gebäude und Verkehrsadern, und die Architekten kämpften für den Erhalt der alten Gebiete und Gebäude. Die neueren Gebiete wie Grafarholt und Borgarholt entwickelten sich als Ergebnis einer Diskussion nicht weiter landeinwärts sondern entlang der Küste. Die zukünftige Planung sieht nun jedoch die Ausbreitung weiter landeinwärts vor.

Aus: Birgit Albrecht, Architekturführer Island, DVA 2000.

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Entwicklungsphasen

PHASE 0 (2001)
Der Inlandflughafen Reykjavík ist mit 3 Start- und Landebahnen in Betrieb. Das Hauptterminal befindet sich zusammen mit dem Hotel Loftleiðir im Ostteil, der Frachtbereich und die Privatflugzeuge im Westteil. Im Nordosten schliesst sich ein locker bebautes Gewerbegebiet an. Die Südküste ist wenig attraktiv durch einen Fussweg erschlossen, ein Wohngebiet zwischen die Landebahnen eingezwängt.

PHASE 1 (2002-2005)
Zur Vorbereitung der Flughafenverlegung wird die Schnellbahnstrecke und deren Endbahnhof mit den direkt benachbarten Gebäuden erstellt. Die Haupteinfallstrasse wird parallel zum Bahntunnel überdeckelt, der dadurch wegfallende Überlandbusbahnhof in den neuen Bahnhof integriert. Für den Flugbetrieb nicht unmittelbar benötige Gebäude des Flughafens werden abgebrochen und bestehende Gewerbeflächen verdichtet bebaut. Gleichzeitig wird der internationale Flughafen Keflavík ausgebaut um den zusätzlichen Anforderungen zu genügen.

PHASE 2 (2005-2010)
Der Flughafen stellt seinen Betrieb ein, die freiwerdende Fläche zunächst einer extensiven Begrünung zugeführt. Spätere Strassenzüge werden bereits als Wege angelegt. Alle zum Flugbetrieb notwendigen Gebäude werden abgebrochen, das Hotel Loftleiðir geniesst vorerst Bestandschutz. Die Plangebiete 1 mit überwiegend verdichtetem Mischgebiet im Norden, Gewerbegebiete im Osten und Wohngebiete im Westen werden erschlossen und bebaut. Die Nordwest-Südost verlaufende Parkanlage nach und nach gestaltet und als deren Abschluss an der Südküste erste Freizeiteinrichtungen gebaut.

PHASE 3 (2007-2015)
Die Plangebiete 2 mit grossem Anteil an Wohn- und Freizeitgebieten werden erschlossen und bebaut, das Hotel Loftleiðir abgebrochen und als Neubau integriert. Die Grünbereiche des Flughafens werden teilweise aktiv gestaltet. Der zentrale Grünbereich erhält sein endgültiges Aussehen.

PHASE 4 (2010-2017)
Die Plangebiete 4 mit überwiegenden Wohnnutzungen im Westen und der Verdichtung und Überplanung eines Gewerbegebietes im Osten werden erschlossen und bebaut. Die äussere und innere Erschliessung ist fertiggestellt.

PHASE 5 (2015-2022)
Die Plangebiete 5 mit ergänzenden Nutzflächen, die ggf. dem Bedarf noch angepasst werden können, werden erschlossen und bebaut. Die Raumkanten die die Grünbereiche begrenzen werden dadurch geschlossen. Es ist anzunehmen, dass zu diesem Zeitpunkt bereits erste Neuplanungen im Bauabschnitt 1 notwendig werden, um dem geänderten Bedarf gerecht zu werden.

756 757 758
759 760 761


Vertiefung
Der Bahnhofsbereich wurde genauer detailliert. Durch seine Funktion als Eingangsbereich der Stadt, sowohl der Bahn als auch der Strasse, und als Nahtstelle zwischen Alt und Neu, besitzt er eine grosse Bedeutung. Der Platz der zwischen Krankenhaus und Plangebiet 1 geschaffen wird, wird durch das Bahnhofsdach dominiert, welches sich als durchgehendes Band über der Bahnlinie paralell zur Strasse verläuft.

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