Gefahr durch Landkarten

Die anspruchsvollere Art, mit dem Auto durch Island zu reisen.
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Dieter
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Gefahr durch Landkarten

Beitrag von Dieter » So 27. Aug 2006, 18:46

Auf der Seite der isländischen Rettungsorganisation Landsbjörg http://www.landsbjorg.is/ habe ich den folgenden bemerkenswerten Einsatzbericht gefunden und mir erlaubt ihn so gut wie mir möglich zu übersetzen:
Können Landkarten im Hochland gefährlich sein?

Am 2. August bargen Rettungsmänner der Hochlandpatrouille aus Ársæll und dem Skagafjörður, ein Fahrzeug welches in der Tungnaá bei Jökulheimar festsaß.

Ausländische Touristen waren dort mit einer in Island herausgegebenen Landkarte unterwegs. In dieser Karte ist eine Piste zum Breiðbakur und eine Furt durch die Tungnaá eingezeichnet. Dieser Piste ist (allerdings) nichts anderes als eine unmerkliche Spur und das Einzeichnen einer Furt stellt ein grobe Verantwortungslosigkeit dar.

Die Tungnaá ist einer der mächtigsten Flüsse in Island von der man allenfalls sagen kann, daß sie im Herbst von großen und gut ausgerüstenen Fahrzeugen (Anm.: nach isl. Maßstäben!) passierbar ist. Glücklicherweise fuhr sich ihr Wagen, ein serienmäiger Jeep, noch bevor sie die Hauptrinne erreichten fest. Die Leute warteten im Auto und hofften, daß irgendwer vorbeikäme, aber die Gegend ist wenig besucht und und ihr Wunsch erfüllte sich nicht. Am nächsten Tag wagten sie durch der Fluß zu Hütte Jökulheimar zu waten, welche 3km Entfernung liegt. Sie kamen mit kanpper Not zur Hütte welche sich als verriegelt erwies. Sie warteten bei der Hütte in der Hoffnung auf Reiseverkehr eine weitere Nacht. Am Morgen verließen sie den Ort in Richtung der 20 km entfernten Veiðivötn. Schließlich kam ein Fahrzeug welches sie zu dem Veiðivötn von wo sie über ein Rettungstelephon Verbindung mit der Bereitschaft der Rettungszentrale aufnehmen konnten. Umgehend wurden zwei Fahrzeuge zu der Stelle geschickt und bargen um Mitternacht ihr Fahrzeug aus dem Fluß aber die Leute sollten am Mittag des Tages an der Norræna (Fähre in Seyðisfjörður) sein. Das Fahrzeug war den Leuten nach unbeschädigt und es gab Nachricht, daß sie um 4:30 Uhr bei (der Hütte) Hólaskjól waren. Es ist nicht bekannt, ob sich noch rechtzeitig einschiffen konnten, aber sie sollten zufrieden damit sein, daß nichts schlimmeres passiert ist, denn solch große Flüsse verzeihen selten solchen Leichtsinn.
Bemerkenswert ist vor allem in welch scharfer Form der Verlag wegen seiner Karten hier angegriffen wird.

Hier der entsprechende Kartenausschnitt der Mál og Menning Karte Skaftafell 1:100000 mit der "Piste" und der angeblichen Furt:
Bild

Die Karten von Mál und Mennning hinterlassen einen sehr zwiespältigen Eindruck. Die Höhenliniendarstellung des Geländes ist hervorragend aber in anderen Informationslayern finden zum Teil sich haarsträubende kartographische Produktionsfehler und irreführende Verläufe von Pisten und Wanderwegen.

Auch hier im Forum wird immer wieder nach Pisten gefragt, die in irgendwelchen Karten eingezeichnet sind und die als Grundlage für die Planung des "Offroadabenteuers" herangezogen werden.

Da es einem Laien und/oder einem nicht Landeskundigem nicht möglich ist diese Fehler im Voraus zu erkennen, rate ich vor einer außschließlichen Benutzung von Mál und Menning Karten dringen ab. Diese Karten sind ein potentielles Sicherheitsrisiko und es wird höchste Zeit, daß der Verlag das zur Kenntnis nimmt und die Konsequenzen zieht.

Die offiziellen Karten von LMÍ sind vielleicht nicht in allen Ausgaben auf dem neuesten Stand, aber sie sind verläßlich.

Dieter
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Wanderungen über das Hochland Islands

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Chevyartictruck
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Beitrag von Chevyartictruck » Mo 11. Sep 2006, 07:25

Hallo Dieter

auf den Karten die ich habe sind gar keine Furten eingezeichnet aber der Track läuft ganz normal durch die Furt der Tungnaa. Bei der 208 kann man die Tungnaa angeblich auch "furten".
Ob das besser ist kann ich nicht sagen für den Laien sieht das aus als wären das flache, nicht nennenswerte Furten. (Kortabok von Edda und die 1:60000er und sogar in der Hochlandkarte von Islandskort)
Diesen Sommer war ich an beiden Furten, meiner Meinung wären beide Furten, wenn überhaupt, morgens mit 3,4 Fahrzeugen und einem riesen Aufwand zu schaffen. Bei der Furt an der 208 wäre nur ein neuer Weg über der alten Furt zu fahren, da müsste man aber über eine wunderschöne Mooswiese fahren, von daher bin ich die nicht gefahren. An der alten Furt ist alles voller Schwemmsand.
Die in Jökullheimar wäre schon ein Versuch wert, war aber zu meiner Zeit nicht zu schaffen. Der wo da reinfährt hat was ander Waffel anders kann man`s nicht beschreiben. :wink:

Gruß Chevy
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Olaf
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Beitrag von Olaf » Mo 11. Sep 2006, 10:52

Die Strecken da drüben kenn ich jetzt nicht, aber am Laugafell hab ich einen getroffen, der gerade seinen Landrover irgendwo zwischen der Ingolfsskáli und der Kjölur-Route versenkt hatte, und furchtbar geflucht hat, dass er 9 Stunden durch den Regen laufen musste, bis jemand vorbeigekommen ist... vermutlich lag ein ähnliches Problem zu Grunde. In meinen LMI Aðalkort gibts dort keine Piste...
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Beitrag von wew » Mo 11. Sep 2006, 12:19

Kann das ganze nur bestätigen!
Selbst erlebt.
Auf der F734 gibt es in den neuen Karten eine Verbindung zur Kjölur, die kurz vor Hveravellir auf die 35 führt. (lt. Karte ohne Furt oder ähnliches)

Doch es gibt dort zwei ganz ordentliche Furten (die mit normalem GW eher nicht zu probieren sind); zweitere hat ziemlich viel Treibsand da es sich um die Blanda handelt die direkt vom Gletscher kommt. (beim Zufuß durchqueren vielleicht 80-90cm tief, mit dem Auto locker 40cm mehr)

Bei den Karten sieht es so aus als wenn es in jeder neuen Ausgabe neue Strecken geben muß. (auch wenn diese bis vor kurzem weder vorhanden noch befahrbar waren)

Es ist zwar jeder selber für sein handeln verantwortlich doch sollte eine gewisse "Befahrbarkeit" gegeben sein, wenn man schon eine neue Strecke in eine Karte aufnimmt.

Grüße Wolfgang
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Chevyartictruck
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Beitrag von Chevyartictruck » Mo 11. Sep 2006, 12:24

Hallo Olaf

der ist den nördlichen Track um den Hofsjökull gefahren, der steht in meinen Karten als Track drin. Bin den Track schon in beide Richtungen gefahren und auch schon mal vor einer zu hohen Blanda gescheitert.
Aber auch hier sind keine Furten eingetragen, nur muss ich jetzt noch mal was loswerden:
Wenn ich an einen Fluss komme ist mir das egal ob da eine Furt eingezeichnet ist oder nicht, jeder muss doch selbst für sich und sein Auto entscheiden ob man durchfahren kann oder nicht, im Zweifelsfall drehe ich um, ich bin doch im Urlaub und nicht auf der Flucht :!:
Scheinbar ist das für viele ein Problem zu sagen das war zu hoch oder zu lang oder sonst was. Ich will gar nicht daran denken wie viele einfach Glück haben.


Gruß Chevy
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Beitrag von Chevyartictruck » Mo 11. Sep 2006, 12:28

Hoppla Wolfgang war etwas schneller


@Wolfgang
bin die Srecke aber auch schon ohne Probleme gefahren, scheinbar kommt es eben auf den rictigen Zeitpunkt an :wink:


Gruß Chevy
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Beitrag von Dieter » Mo 11. Sep 2006, 14:24

Bei der Route am Nordrand des Hofsjökull handelt es sich um den sog. Eyfirðingavegur. Das ist die historische (!) Bezeichnung eines alten Reitweges den die Leute aus dem Eyjajörður zum jährlichen Versammlung in Þingvellir nahmen.

Merke: zur Sagazeit gab es noch keine F -Nummern. :wink:

In der alten Atlaskort: ist die alte (Reit-)Route gestrichelt eingezeichnet.

1997 bin ich die Strecke in 2 Tagenzu Fuß gegangen:
C:Isafoldlanghof97tag_12.htm

Korrektur:
http://www.isafold.de/langhof97/tag_12.htm


Noch was zu Thema historische Furten:
Bei der 208 kann man die Tungnaa angeblich auch "furten".

Dirk meint hier wohl die Furten Hofsvað Bjallavað. Dies sind ebenfalls alte Furten bzw. Fährstellen aus einer Zeit als es im Hochland noch keine Brücken (und keine Autos gab). Die ersten Autobefahrungen benutzen deshalb wo möglich auch die alten Reitrouten.

Dieter
Zuletzt geändert von Dieter am Mo 11. Sep 2006, 20:13, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag von sgm » Mo 11. Sep 2006, 19:06

Dieter hat geschrieben:In der alten Atlaskort: ist die alte (Reit-)Route gestrichelt eingezeichnet.

1997 bin ich die Strecke in 2 Tagenzu Fuß gegangen:
C:Isafoldlanghof97tag_12.htm
Leider können wir uns keine Dateien auf deinem PC anschauen :wink: . Aber ich denke mal, dass es sich um diese Adresse handelt
http://www.isafold.de/langhof97/tag_12.htm
8)

Ansonsten ist zu dem Thema nicht viel hinzuzufügen. Wer so blöde ist, sich nur auf eine Karte zu verlassen und durch eine vermeintliche Furt fährt, nur weil diese eingezeichnet ist, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen Bild.
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Beitrag von Ute » Di 12. Sep 2006, 07:43

Hallo,
ich muß dazu noch bemerken, das dies nicht nur die Autofahrer betrifft.
Auf Hornstrandir - genauer gesagt - zwischen Veiðileysufjörður und Lonafjörður/Kviar ist ein Pfad eingezeichnet - angeblich mit Steinmännern markiert, den gibts definitiv auch nicht oder nicht mehr. Mir ist aber auch in anderen Gegenden aufgefallen, daß in den Karten Pfade drin sind, die es so nicht gibt. Nloß als Fißgänger ist das nicht ganz so tragisch, es sei denn, man steht plötzlich an einer steilen Felswand, wo man nicht weiterkommt.
Gruß
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Beitrag von Chevyartictruck » Di 12. Sep 2006, 11:50

Hallo

das habe ich eben gefunden das ist doch die Tungnaa oder?


http://www.f4x4.is/new/photoalbum/?file ... yndir/4711


Gruß Chevy
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