Hinweise zu Covid-19 in Island

Auch Island ist vom Corona-Virus und der Krankheit Covid-19 betroffen. Informationen zur aktuellen Situation und Hinweise für Reisende gibt es hier: https://www.covid.is/english. Auch im Forum wird laufend berichtet: viewtopic.php?f=2&t=8200. Passt auf euch auf und schützt andere!

Das deutsche Auswärtige Amt informiert: Reisende werden aufgrund einer angekündigten sehr wahrscheinlichen Einstellung aller Flüge aus Island und der weltweiten Reisewarnung des Auswärtiges Amtes dringend gebeten, die noch wenigen bestehenden Flugmöglichkeiten zu nutzen und schnellstmöglich nach Hause zu fliegen. Informieren Sie sich auf der Webseite des internationale Flughafens Keflavik über noch bestehende Flugverbindungen. Die Botschaft hat keine Möglichkeit andere Rückreisemöglichkeiten aufzuzeigen. Nutzen Sie die vorhandenen Möglichkeiten, umgehend nach Deutschland zurückzukehren! https://www.auswaertiges-amt.de/de/auss ... eit/223400

Walfang

Bedrohungen und Maßnahmen zum Schutz der isländischen Natur.
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Pitti
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Walfang

Beitrag von Pitti » Do 19. Okt 2006, 11:55

Hallo Leute,

ich würde Euch gerne was fragen!

Ich habe heute auf der BBC Online-Seite gelesen, dass Island wieder mit dem kommerziellen Walfang anfangen will (angeblich auch gefährdete Arten wie Finnwale).

Jetzt versuche ich die Sache natürlich neutral zu bewerten und die Aktion aus Sicht der Isländischen Bevölkerung zu verstehen.
Klar, die Isländer waren eine Volk der Walfänger. Aber - ist diese Aktion heute noch aus wirtschaftlicher Sicht notwendig?
Ganz davon abgesehen, dass sie sich ihr Image als "Naturreservat" bei vielen Touris kaputt machen könnten. Was macht da Whale Watching noch für einen Sinn?

Aus Not und Hunger müssen die Tiere wohl kaum erlegt werden. Wirtschaftlich gesehen haben das die Isländer eigentlich auch nicht nötig. Die machen doch genügend Kohle mit dem Energie-Sektor und neuen Technologien (IT, Wasserstoff-Antrieb).

Oder?

Was meint Ihr zu der Entscheidung? Oder macht Ihr Euch da keinen Kopp?
Ich gebe zu, dass mich die Sache als Biologin nicht ganz kalt lässt: auf der einen Seite bin ich Fan von Island, auf der anderen Seite stehe ich dem Fang von Meeressäugern sehr kritisch gegenüber.

Grüße,
eine verwirrte Petra
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Ute
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Beitrag von Ute » Do 19. Okt 2006, 14:21

Hallo,
die Meldung über den geplanten Walfang kam auch gestern abend in diversen Nachrichten (RTL, Pro7, ARD usw.)
Als Argument wurde angeführt, die Wale würden den Fischbestand verringern, weil es wieder so viele Wale gäbe. Nun stellt sich mir die Frage, seit wann Finnwale die Fische fressen, die sonst von den Menschen gefischt werden. Sein Bestand gilt immer noch als stark gefährdet.
Und auch die Zwergwale dürften nicht soviel Fisch vertilgen. Allerdings gelten sie mittlerweile als "beinahe" gefährdet.
Ich habe festgestellt, daß in einigen isländischen Restaurants seit einigen Jahren auch wieder Walfleisch auf der Speisekarte steht, so z.B. im Bautinn in Akureyri. :twisted:
Nun weißt du, wo die Wale schließlich laden, im Magen der Restaurantgäste. Einzusehen ist das nicht, da Island ja noch andere Delikatessen zu bieten hat - z.B. Papageitaucher :x
Ich finde es schade, daß Island wieder damit anfängt - werden denn die Menschen niemals klug? Mein Appell an alle Islandreisende wäre, niemals
in Restaurants Walfleisch zu essen.
Was kann man sonst noch tun?
Gruß
Ute
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Ute
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Beitrag von Ute » Do 19. Okt 2006, 14:58

Hallo,
hier gibts eine Info zum Nachlesen:
http://www.3sat.de/3sat.php?http://www. ... l_vt1.html

Gruß
Ute
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Pitti
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Beitrag von Pitti » Do 19. Okt 2006, 15:19

Hi Ute,

die Argumentation, dass irgendwelche Tiere verantwortlich für den Rückgang von anderen Tieren seien und dadurch den Profit (!!) des Menschen bedrohen würden, ist alt und leider sehr beliebt. (Siehe die Kormorane in Meck-Pom letztes Jahr.)

Es ist immer schwer, solche Behauptungen mit fundierten Untersuchungen zu widerlegen.

Was allerdings Tatsache ist: Die Bartenwale, und dazu gehören auch die Finn- und Blauwale, ernähren sich in der Hauptsache von Krill (Mini-Krebschen) und nur in zweiter Linie von Fisch.

Normalerweise regelt sich die Natur selbst und wenn es wenig Beutetiere (Fische) gibt, dann gibt es auch wenig Beutejäger (z. B. Wale). Aber sobald der Mensch da unkontrolliert eingreift, entgleist der Regelkreis. Je mehr der Mensch rausfischt, desto mehr werden die anderen "Mitesser" zur Konkurrenz und müssen weg :cry:

Gut, im Prinzip dürfte man dann gar keine Tiere mehr essen (auch keinen Fisch, um die Fangquoten nicht zu unterstützen).

Ich weiß auch nicht.
Ich werde auf jeden Fall Deinen Appell unterstützen: Boykott dem Walfleisch - egal wo!

Grüße
Petra

P.S.: Vielleicht doch Greenpeace...?
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lena
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Beitrag von lena » Do 19. Okt 2006, 17:19

Ich finde die Aufregung übertrieben. Wale sind wundervolle Tiere und man sollte Sorge dafür tragen, daß sie weiterhin Teil unserer Natur sind. Aber diese Diskussion ist mir viel zu emotional. Ich meine, ich bin auch mit "Rettet die Wale" aufgewachsen, aber trotzdem. Im Fischfang zeigen die Isländer, daß sie an Nachhaltigkeit interessiert sind, denn schließlich wären sie ja auch schön blöd, sich durch Überfischung ein Standbein selbst zu nehmen. Warum traut ihnen das keiner für den Walfang zu? Die Zahl, der Prozentsatz des erlaubten Fanges ist äußerst gering. Es gibt 'schwarzen' Walfang, wenn auch weniger im Nordatlantik, legaler, aber zahlenmäßig kontrollierter Walfang wird von einigen als Weg angesehen, dem entgegenzutreten und es halt wenigstens steuerbar zu machen.
Klar frißt nicht jeder Wal Fisch, aber dafür eben Krill, den wiederum Fische auch gerne wollen. Klar, es gibt verschiedene Kreisläufe, so daß sich Räuber- und Beutetiere in ihrer Populationsgröße gegenseitig reglementieren, aber letztendlich... Als die Isländer 2003 36 Zergwale fingen um eben zu untersuchen, was die denn nun im Magen haben, gab es ja schon gleich Geschrei.
Natürlich muß man sich auch überlegen, ob Walfang Auswirkungen auf die Tourismusindustrie hat. Jetzt werden die Wale dort beobachtet, wo sie früher gefangen wurden, wenn man sie dort jetzt auch wieder jagt, dann gehen die Sichtungen der Beobachtungsboote wahrscheinlich ja zurück. Das mag vielleicht ökonomisch eine ungünstige Entscheidung sein, aber ideologisch? Es heißt doch immer, es gäbe eh keinen Absatzmarkt für das Fleisch. Wenn das so ist, und das glaube ich sogar, dann braucht man keine Sorge haben, daß wieder Walfang im großen Stil betrieben wird.
Ach ja, nur so als Schlußanmerkung: Ich werde auch kein Walfleisch essen; die anzunehmende Schadstoffbelastung allein würde mich schon davon abhalten.
sgm

Re: Walfang

Beitrag von sgm » Do 19. Okt 2006, 18:50

Pitti hat geschrieben:Jetzt versuche ich die Sache natürlich neutral zu bewerten und die Aktion aus Sicht der Isländischen Bevölkerung zu verstehen.
Klar, die Isländer waren eine Volk der Walfänger. Aber - ist diese Aktion heute noch aus wirtschaftlicher Sicht notwendig?
Nein! Außerdem: Tradition darf kein Argument dafür sein, etwas dummes zu tun!
Pitti hat geschrieben:Ganz davon abgesehen, dass sie sich ihr Image als "Naturreservat" bei vielen Touris kaputt machen könnten. Was macht da Whale Watching noch für einen Sinn?
Nun, in Norwegen wird teilweise auch beides betrieben - dem Tourismus hat es bisher nicht geschadet!
Pitti hat geschrieben:die Argumentation, dass irgendwelche Tiere verantwortlich für den Rückgang von anderen Tieren seien und dadurch den Profit (!!) des Menschen bedrohen würden, ist alt und leider sehr beliebt.
Ich kenne nur eine Tierart, die es regelmäßig schafft, andere auszurotten! Sie ist zweibeinig, geht mehr oder weniger aufrecht und hält sich für die Krönung der Schöpfung :twisted: .
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Re: Walfang

Beitrag von lena » Do 19. Okt 2006, 19:03

sgm hat geschrieben:
Pitti hat geschrieben: Klar, die Isländer waren eine Volk der Walfänger. Aber - ist diese Aktion heute noch aus wirtschaftlicher Sicht notwendig?
Nein! Außerdem: Tradition darf kein Argument dafür sein, etwas dummes zu tun!
Ähmmm.... Wenn ich mich recht an meinen Besuch im Walmuseum in Húsavík entsinne, dann war Island zwar Walfangstation und auch Isländer haben Wale gejagt, aber eine große Zahl der Walfänger, ja ganze Flotten, waren vom europäischen Festland.
1915 hatte Island ja sogar mal von sich aus den Walfang verboten (blieb bis 1930 so).
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Ute
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Beitrag von Ute » Fr 20. Okt 2006, 08:13

Hallo Lena,
das Walfleisch wird durchaus in Island genutzt - siehe Speisekarte vom Bautinn in Akureyri und diverser anderer Restaurants.

Gruß
Ute
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Beitrag von Spargel » Fr 20. Okt 2006, 09:29

Servus alle miteinander,

bin als Island-Greenhorn - der beim Treff da war :D - schon fleißig am Planen meiner ersten Tour nächstes Jahr: Radln und Bergwandern rund um den Vatnajökull mit Abstecher zum Myvatn, wenn die Zeit am Ende reicht, ich habe ja bloß sechs Wochen. :wink:

Da ich mich hauptsächlich im Hochland rumtreiben werde, und da schon genug einseitige Ernährung mit Nudeln, Biskin und Schoki ergänzt durch Lammschinken und Trockenfisch habe, bin ich da
Ute hat geschrieben:...da Island ja noch andere Delikatessen zu bieten hat - z.B. Papageitaucher
natürlich gleich hellhörig geworden. :shock: :P
Wo gibts die denn? Vielleicht auch in Höfn, das ist von Egilsstadir ganz am Anfang und Ende abgesehen das bei weitem größte Nest wo ich vorbeikomme, wobei ein Freßabstecher nach Vik natürlich auch drin wäre...

ciao Christian
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Chevyartictruck
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Beitrag von Chevyartictruck » Fr 20. Okt 2006, 09:46

Moin

heikles Thema das Ganze!

Ich sehe das genauso wie Lena, ich bin sogar davon überzeugt das die Isländer da kein Mist bauen.

Bei den Lundis haben sie`s ja auch bewiesen!

@sgm
Du schreibst: Tradition darf kein Argument dafür sein, etwas dummes zu tun!

Unser halbes Hähnchen- Massentierhaltung, 5Tiere auf 50x50cm :!:
Schweinschnitzel- Massentierhaltung, Tiertransprt :!:
Unser Rumpsteak- Tiertransport :!:

das ist unsere tolle Tradition, aber das ist alles normal. Das kommt mal im Fernsehen und alle regen sich auf aber keiner macht was.



Was mich betrifft ich werde weder in Island Walfleisch noch in Deutschland oder sonst wo Fleisch essen.


Gruß Chevy
wer immer nur brav ist, wird nie erwachsen!
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