Z... wie Zelt

Oft gestellte Fragen - und die passenden Antworen darauf! (ACHTUNG: Derzeit nur eingeschränkt verfügbar!)
Gesperrt
Benutzeravatar
Peter
Islandreise Admin
Beiträge: 1964
Registriert: Fr 22. Apr 2005, 22:35
Wohnort: Vöhringen (BaWü)
Kontaktdaten:

Z... wie Zelt

Beitrag von Peter » Di 18. Aug 2015, 18:50

Alles Rund ums Zelt

Auch wenn man sie sonst gerne überhören möchte, bei der Zusammenstellung der Zeltausrüstung sollten alle Klischees zum isländischen Wetter berücksichtigt werden: Es ist kalt, es regnet sehr viel und es stürmt noch viel mehr.

Für alle Ausrüstungsgegenstände gilt: Das Gewicht hängt vom Verwendungszweck ab. Wer auf Island mit dem Auto unterwegs ist und keine Probleme mit den Gewichtsbeschränkungen beim Flieger hat, kann gerne schwerer unterwegs sein. Wer sein Gepäck – gar die komplette Zeit – tragen muss, sollte zusätzlich sehr stark auf das Gewicht achten.


Das Zelt

Das Zelt sollte insbesondere gegen die Feinde Wind/Sturm und Regen gewappnet sein. Auf folgende Punkte ist daher zu achten:
  • Die Form des Zeltes sollte dem Wind eine möglichst geringe Angriffsfläche bieten.
  • Prinzipiell gilt, um das Gepäck mit unterbringen zu können: für eine Person ein Zwei-Personen-Zelt, für zwei Personen ein Drei-Personen-Zelt usw.
  • Sitzhöhe im Kopfbereich ist angenehm
  • Apsiden sollten möglichst groß sein, um Schuhe, Stinkesocken und Gepäck unterbringen und bei strömendem Regen kochen zu können.
  • Keine einwandigen Zelte – auch bei bester Lüftung sammelt sich bei dem isländischen nasskalten Wetter immer Kondenswasser an der Zeltwand, das dann ins Zelt und auf den Schlafsack tropft.
  • Innen- und Außenzelt sollten für einen schnellen Aufbau, der bei Regen notwendig ist, gekoppelt sein bzw. erst sollte das Außenzelt aufzubauen, dann das Innenzelt einzuhängen sein. Getrenntes Innen- und Außenzelt haben den Vorteil, dass das trockene Innenzelt separat vom nassen Außenzelt transportiert werden kann. Es ist – ggf. durch weitere Abspannung – darauf zu achten, dass sich Innen- und Außenzelt bei Sturm nicht ständig berühren. Das Zelt sollte immer so aufgebaut werden, als wäre Sturm – das erspart nächtliche Einsätze.
  • Das Zelt sollte grundsätzlich schnell aufzubauen gehen. Es ist ratsam, den Aufbau bei erstmaligem Gebrauch zu Hause zu üben, damit man dann beim ersten Einsatz in Ísland nicht verzweifelt, denn der könnte bei Sturm sein.
  • Alu-Gestänge, Finger weg von Fieberglas.
  • auf ausreichend Abspannmöglichkeiten achten, zusätzliche Abspannleinen mitnehmen
  • Schneelappen sind nicht erforderlich, behindern sogar die Luftzirkulation und fördern somit Tropfsteinhöhlen.
  • Heringe: Die Bodenbeschaffenheit von Stellflächen reicht von angenehmen Wiesen bis zur Bereitschaft zu Verzweiflungstaten. Allseits beliebt und berüchtigt ist diesbezüglich der Zeltplatz in Landmannalaugar, auf dem man Stunden damit zubringen kann, anderen zuzusehen, wie sie mit Steinen versuchen, ihr Zelt standfest zu bekommen. Für diejenigen, die aus Gewichtsgründen keine größere Auswahl an Heringen mitführen können, empfehlen sich stabile, schmale, V-förmige Allroundheringe. Die einfachen, billigen Heringe (ein gutes Zelt hat solche eher nicht) am besten gleich zu Hause lassen und gegen stabile austauschen.
  • Empfehlenswert sind zudem Planen zum Unterlegen unters Zelt. Sie schützen nicht nur den Zeltboden gegen spitze Steine und Geröll, sondern sind zusätzlicher Schutz gegen Nässe. Dabei muss nicht zwingend der zum Zelt passende Footprint gekauft werden, eine preiswerte Plane aus dem Baumarkt tut es auch. Letztere kann außerdem am Ende der Reise „schmerzfrei“ entsorgt werden, so dass man etwas Platz und Gewichtsluft für Mitbringsel aus Island hat.
  • Der Transport eines nassen Zeltes ist grundsätzlich kein Problem, wenn man es nicht tagelang nass in seiner Hülle belässt. Auf keinen Fall sollte es mehrere Tage nass in der Hülle in warmen Räumen aufbewahrt werden.

Der Schlafsack

Hier werden eher die Kriterien für einen Schlafsack im Außeneinsatz = Zelt angesprochen.

Auf Island kann es auch mal warm sein, der Schlafsack sollte aber darauf ausgerichtet sein, Temperaturen um den Gefrierpunkt standhalten zu können. Empfehlenswert sind Schlafsäcke mit einem Komfortbereich um die –5°C. Je nachdem wie kälteempfindlich jemand ist, kann es mehr oder weniger sein. Kälteempfinden und Wärmeabgabe hängen von vielen Faktoren ab, wie Geschlecht, Größe, Gewicht, Erschöpfungsgrad, Ernährungszustand und Gesamtverfassung des Benutzers. Es ist daher nicht möglich, allgemeinverbindliche Aussagen zu treffen.

Die seit 2005 geltende EU-Norm EN 13537 schafft 4 Temperaturbereiche. Ob ein Schlafsack sie erreicht, wird in Labortests mit Puppen getestet:
  • Obergrenze: höchste Temperatur, bei der ein durchschnittlicher Mann komfortabel eine Nacht durchschläft ohne zu schwitzen; Kapuze und Reißverschluss sind dabei offen, die Armen außerhalb des Schlafsacks
  • Komforttemperatur: komfortabler Nachtschlaf einer durchschnittlichen Frau in entspannter Position
  • Untergrenze: tiefste Temperatur, bei der ein durchschnittlicher Mann gerade 8 Stunden in gekrümmter Stellung schlafen kann, ohne aufzuwachen
  • Extrembereich: tiefste Temperatur, bei der eine durchschnittliche Frau sechs Stunden unbequemen schlafen kann, ohne der Gefahr des Todes wegen Unterkühlung ausgesetzt zu sein (Überlebensbereich)
Die durchschnittliche Frau ist übrigens 25 Jahre alt, 1,60 m groß und 60 kg schwer, der durchschnittliche Mann 25 Jahre alt, 1,73 m groß und 73 kg schwer … und schon können viele von uns mit den Angaben nichts mehr anfangen ;-)

Ob Daune oder Kunstfaser ist Geschmackssache. Daune hat die potentiell höchste Wärmeleistung und damit den Vorteil des geringeren Gewichts gegenüber Kunstfaser bei gleicher Wärmeleistung. Daunenschlafsäcke müssen jedoch gegen Nässe geschützt werden (Abhilfe schafft hier die Benutzung wasserdichter Packsäcke), während Kunstfaser auch im nassen Zustand noch isoliert und schneller wieder trocknet. Allgemein hängt die Wärmeleistung eines Schlafsacks von der eingeschlossenen Luftmenge ab. Beim Kauf ist daher auf die Bauschkraft zu achten – je größer, desto besser.

Beim Kauf eines Schlafsacks ist auch auf den Schnitt zu achten: Guter Schlaf erfordert einerseits Platz, nicht genutzter Luftraum im Schlafsack kann durch den Körper jedoch kaum erwärmt werden. Damit niemand kalte Füße bekommt, sollte der Schlafsack unbedingt an die Körpergröße angepasst sein.
Gegen Wärmeverlust während des Schlafes helfen zudem eine gute Kapuze, ein Wärmekragen sowie Wärmeabdeckleisten, die den Reißverschluss von innen abdecken.

Ein Schlafsack soll die Körperwärme halten, er ist nicht in der Lage, einen Körper aufzuheizen. Wer also völlig durchgefroren in einen Schlafsack steigt, darf keine Wunder erwarten.

Wer Geld sparen möchte, weil er nicht weiß, ob er einen solchen „frostigen“ Schlafsack jemals wieder brauchen wird oder bereits einen hat, der nicht ganz die erforderliche Temperatur aufweist, kann zusätzlich Inletts nutzen. Fleece-Inletts halten sicher warm, sind aber auch schwer und sperrig. Das sollte jedoch nur denjenigen Sorge bereiten, die nicht mit dem Auto unterwegs sind. Das beste Gewichts-Wärme-Verhältnis haben Seiden-Inletts. Inletts allgemein haben zudem den Vorteil, dass der Schlafsack weniger schmutzig wird; ein Inlett ist auch leichter zu waschen. Das Tragen mehrerer Schichten Sachen ist nur bedingt zu empfehlen. Zwischen den einzelnen Kleidungsschichten muss es auf jeden Fall Luft schichten geben, ohne dass die Luft dabei zirkulieren kann (nicht zu eng, nicht alles aufeinander gepresst). Ansonsten sind drei Pullover übereinander nämlich über die Nacht gesehen nicht wärmer als einer, da die Wärme vom Körper abgeleitet wird. Gegen Kälte im Schlafsack hilft zudem ein gut gefüllter Bauch ;-) Vorsicht jedoch bei Alkohol. Das mag zwar am Anfang wärmend sein, aber wenn der Alkohol dann den Körper verlässt, wird es so richtig kalt.


Das Darunter

Der beste Schlafsack nützt nichts, wenn man kein isolierendes Darunter hat, denn dort wo der Körper den Schlafsack (am Boden) zusammenpresst, kann dieser seine Isolationsleistung nicht (voll) entfalten. Luftmatratzen sind wegen der zirkulierenden Luft in ihrem Inneren eine schlechte Unterlage auf kaltem Boden.

Selbstaufblasende Thermomatten sind eine gute Wahl. Beim Kauf ist auf die Qualität zu achten (was passiert mit dem Innenleben, wenn ich die Matte knicke oder rolle); gute Outdoorhändler beraten hier gerne. Besonders gut, leicht, aber auch teuer sind mit Gänsedaunen gefüllte Luftmatratzen, die Exped Downmat 7 Pump.

Externe Links

Bei Fragen zu Zelten genereller Natur ist dieser Link hilfreich: http://amelunxen.onlinehome.de/drofaq/zelt.html
Gesperrt