Englische Ortsnamen drohen einheimische abzulösen

Island ist mehr als nur ein Reiseland. In diesem Forum werden gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Themen diskutiert. Eben alles, was nicht unbedingt mit Tourismus und Reise zu tun hat.
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carlotta
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Englische Ortsnamen drohen einheimische abzulösen

Beitrag von carlotta » Mo 15. Jul 2019, 20:19

https://www.icelandreview.com/de/natur- ... bzuloesen/

Wäre das ein Diskussionsthema?

Mir ist das auch schon aufgefallen, das in Blogs, in Reiseberichten und auch bei Veranstaltern engliche Begriffe verwendet werden. Ganz selten aber auf deutschen Seiten - bis jetzt. Verhindern kann man das leider nicht!

Bei Google Maps sehe ich keine Gefahr. Die isl. Eigennamen werden bleiben.
Das angegebene Beispiel - Breiðamerkursandur, Diamond Beach- da stimmt die Aussage nicht. Diesen Ort finde ich unter beiden Suchbegriffen.
Davon abgesehen, das ich diesen Strand niemals unter "Breiðamerkursandur" suchen würde.

Weiter genannte Orte, wie Blaue Lagune/Blue Lagoon (Bláa Lónið) oder der Goldene Kreis/Golden Circle (Gullna Hringur) kennt man doch schon aus Reiseführern. Also nichts Neues.

Was die Beschilderung betrifft, würde ich persönlich es begrüßen, wenn es bliebe wie es ist (isländisch).

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bilderweise
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Re: Englische Ortsnamen drohen einheimische abzulösen

Beitrag von bilderweise » Mo 15. Jul 2019, 22:22

Seh ich jetzt nicht so, die Orte die du aufzählst sind ja keine Orte, sondern Touri Hotspots, die entsprechend international vermarktet werden.
ZB der Sandur ist ja viel viel mehr als der kleine Abschnitt wo die Eisbrocken herumliegen...
Die isländischen Namen sind ja auch zT echte Zungengbrecher
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carlotta
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Re: Englische Ortsnamen drohen einheimische abzulösen

Beitrag von carlotta » Di 16. Jul 2019, 01:21

@ bilderweise
Sehe ich auch so. Du hast es nur besser beschrieben.
Mir fehlten vorhin irgendwie die passenden Worte.
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Re: Englische Ortsnamen drohen einheimische abzulösen

Beitrag von Snorre64 » Di 16. Jul 2019, 07:54

bilderweise hat geschrieben:
Mo 15. Jul 2019, 22:22
Die isländischen Namen sind ja auch zT echte Zungengbrecher
Erinnert mich irgendwie an unser Bildungssystem. Da wurden die Ansprüche auch den Absolventen angepasst. Heute gibt's Abi auch mit 20 Rechtschreibfehlern/Seite...
;)

Mal im Ernst: natürlich vereinfacht das englische den Umgang mit den Touristen - keine Frage!
Aber dafür einen Teil der eigenen Identität opfern? Ich möchte nicht zu den cathedrals von Cologne and Fribourg/Black Forest pilgern.
Und als Saarländer wird Dibbelabbes auch Dibbelabbes bleiben. Soviel ist sicher!
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Monique
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Re: Englische Ortsnamen drohen einheimische abzulösen

Beitrag von Monique » Do 18. Jul 2019, 00:20

Was war zuerst da, das Huhn oder das Ei? Ich erinnere mich an 2009, als wir Gästen im Hotel noch erklären mussten, wo sie abzubiegen haben, um zu einem coolen Strand zu kommen. Damals gab es weder ein Schild nach Reynisfjara (da stand, meine ich, etwas anderes drauf) noch ein Restaurant. Vor 10 Jahren war das irgendwie noch ein Geheimtipp. Wenn ich mich richtig erinnere, ging es 2011 los, dass mehr und mehr nette Plätze mit den weiß-roten Schildern ausgeschildert wurden (2010 habe ich mit meinem Busfahrer noch "verzweifelt" den Weg nach Kolugljúfur gesucht - der einizige Ort der Tour, den ich nicht zuvor abgefahren war ... heute ist fast alles ausgeschildert) und 2013 ging es so richtig los, dass Tourenanbieter in Reykjavík Orte in ihre Touren aufnahmen, an denen man bis dato ziemlich oft recht alleine war. Und plötzlich war eh die ganze Welt in Island und man fand für alles schlagkräftige Begriffe (es war ja in und cool und musste vermarktet werde). Mein erstes schräges Erlebnis dazu waren im Februar 2013 Gäste aus Hongkong, die in die Crystal Cave wollten - einen Begriff, den Einar damals für die eine Eishöhle geprägt hatte. Ich erinnere mich auch an einen Februartag 2013 als ich morgens bei aufgehender Sonne am Strand bei Jökulsárlón war und damals meine Fotos von den Eisbergen mit "wie Diamanten am Strand" beschrieb - es war ein fantastischer Morgen. Ein paar Jahre später war "Diamond Beach" ein gängiger Begriff - vermutlich weil viele einen Begriff dafür suchten (nicht zuletzt isländischen Tourenanbieter) und er in diesem Fall als so demaßend passend jederman ins Auge bzw. Hirn sprang und springt. Ich denke aber wir alle wissen, dass "Diamond Beach" nicht gleichzusetzen ist mit "Breiðarmerkursandur", und ganz ehrlich: Welcher gemeine Tourist würde nach dieser Sanderfläche suchen, wo er mit mit dem Skeiðarásandur eine super beeindruckende Sanderfläche hat? Und wer kein Geologe ist, dem genügt die als Eindruck vollkommen. Im Gebiet des Breiðarmerkursandur sind ja nun mal, machen wir uns nichts vor, die Gletscher, die Lagunen und der Strand (vielleicht auch noch die Vögel) DIE Sehenswürdigkeit. Und wenn ich bei Google Maps "Breiðarmerkursandur Island" eingebe, dann wird mir der Ort durchaus noch angezeigt - wenn auch nicht die gesamte Sanderfläche. Aber wenn ich z. B. "Mýrdalssandur Island" eingebe, lotst mich Google Maps in die richtige Gegend, ohne dass ich einen Namen sehe oder eine Markierung an einem bestimmten Ort. Ich würde das also nicht überbewerten.

Insofern finde ich die Nachricht etwas überzogen und bitte die Isländer an der Stelle, sich an die eigene Nase zu fassen bzw. an die Nase ihre Tourismusunternehmen und Reisleiter, die durchaus nicht ganz unschuldig an der Verbreitung dieser Namen sind. Noch 2010 musste ich feststellen, dass meine isländischen Kolleginnen im Hotel (14- bis 16-jährige Schülerinnen) mit dem Begriff "Golden Circle" auch nichts anfangen konnten. Hat sich damals jemand über diesen Marketing-Kniff aufgeregt? Oder als der Silver- und der Diamond Circle hinzukamen? Keine Ahnung, wie viele Circle sie inzwischen haben, ich habe den Überblick verloren.

Sie wollten mit aller Macht diesen touristischen Massen und nun müssen sie mit den Konsequenzen leben. Die Geister, die ich rief ... Da ich die Entwicklung seit 2009 direkt miterlebt habe und an vielen Stellen kritisch sah und sehe, was die Isländer da so zu Wege gebracht haben, hält sich mein Mitleid bei einigen Themen in Grenzen. Dieses hier gehört definitiv dazu.

Monique
http://www.island-erleben.com
Das Wetter auf unseren Touren im Sommer 2018: https://islandauftour.blogspot.com/
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Re: Englische Ortsnamen drohen einheimische abzulösen

Beitrag von Snorre64 » Do 18. Jul 2019, 00:36

@ Monique:
Das sind die Beiträge, bei denen mir der „Gefällt mir Button“ fehlt.
Danke dafür!
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