Hinweise zu Covid-19 in Island

Informationen zur aktuellen Situation und Hinweise für Reisende gibt es hier: https://www.covid.is/english. Auch im Forum wird laufend berichtet: viewtopic.php?f=2&t=8200. Passt auf euch auf und schützt andere!

3 Monate im Winter mit dem Auto (Allrad) - ein paar Fragen

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Parafox
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Re: 3 Monate im Winter mit dem Auto (Allrad) - ein paar Frag

Beitrag von Parafox » Mo 27. Okt 2014, 18:46

... ich bin immer noch unschlüssig in der Reifenfrage, meine aktuellen Cooper Discoverer AT/3 sind ja offiziell auch nur für den Sommer: http://www.coopertires.de/tyres/off-roa ... overer-at3

Spikes oder "Reifen schlitzen"? Wie gesagt, ich plane keine permanente Auswanderung nach Island, sondern nur einen 2-3 monatigen Aufenthalt dort - will aber auch nicht auf Kosten der Sicherheit sparen. Ich bin mit meinen derzeitigen Cooper Reifen sehr zufrieden und auch im Gelände letztes Jahr haben sie eine gute Figur gemacht. Daher würde ich prinzipiell eher in die Richtung gute und neue Winterreifen mit "Spike-Vorrichtung" tendieren, die Spikes auf Island reinmachen lassen und am Ende vor der Fähre wieder raus.
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Re: 3 Monate im Winter mit dem Auto (Allrad) - ein paar Frag

Beitrag von Peturvilhjalmur » Mo 27. Okt 2014, 19:44

Wichtig ist, daß der Reifen, den Du im Winter einsetzen willst über das sogenannte Schneeflockensymbol verfügt. Das ist ein gezacktes Dreieck, in dem sich Schneeflockensymbole befinden. Nur dann hat die Reifenmischung auch die notwendige Flexibilität, die die Haftung im Winter auf Schnee und vor allen Dingen auf Eis gewährleistet. Die Lamellierung - siehe Foto von Argish - ist wichtig, aber m.E. noch wichtiger bei extremen Verhältnissen wie z.B. Schwarzeis ist das Vorhandensein von Spikes. Auch wenn jetzt schon wieder mit Feinstaubbelastung gewarnt oder drüber geredet wird, ist das im Prinzip derzeit mehr als lächerlich, da die Feinstaubbelastung durch den Ausbruch des Bardarbunga alle Rekorde in dieser Beziehung schlägt. Du fährst ja nicht nur Reykjavik oder ähnlichen Städten herum, sondern in erster Linie draussen auf vereisten und verschneiten Straßen. Du wirst sehen, daß in den drei Monaten, die Du auf der Insel sein wirst, Deine Reifen erheblich an Profil verlieren werden. Der Asphalt in Island ist viel rauer als bei uns in Deutschland und ein Bekannter von mir, der sich jetzt 6 Monate in Island aufgehalten hat, musste nach zwei Monaten schon nach neuen Reifen suchen, da diese bei der Anreise zwar noch gut, aber nicht nagelneu waren. Die Reifen fahren sich teilweise ab, wie Radiergummis!
Also, das ist kein Luxus und schon gar nicht eine Anschaffung fürs Leben.
Gruß Peturvilhjalmur
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Re: 3 Monate im Winter mit dem Auto (Allrad) - ein paar Frag

Beitrag von Argish » Mo 27. Okt 2014, 20:05

Peturvilhjalmur hat geschrieben:Du wirst sehen, daß in den drei Monaten, die Du auf der Insel sein wirst, Deine Reifen erheblich an Profil verlieren werden. Der Asphalt in Island ist viel rauer als bei uns in Deutschland und ein Bekannter von mir, der sich jetzt 6 Monate in Island aufgehalten hat, musste nach zwei Monaten schon nach neuen Reifen suchen, da diese bei der Anreise zwar noch gut, aber nicht nagelneu waren. Die Reifen fahren sich teilweise ab, wie Radiergummis!
Da bin ich anderer Meinung mit der Abnutzung. Ich nutze meine Winterreifen mit Nägeln in der Regel zwei Winter lang. Was in etwa 30-40'000 Kilometer Laufzeit entspricht.


Betreffend Feinstaub, ist dass das Argument der Spikes-Gegner. Dabei handelt es sich um Feinstaub der sich aus dem Asphalt löst.
Die Holuhraun-Eruption verursacht Verschmutzung durch Gase (Schwefeldioxid)
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Re: 3 Monate im Winter mit dem Auto (Allrad) - ein paar Frag

Beitrag von Peturvilhjalmur » Mo 27. Okt 2014, 21:04

Meine Erfahrungen in insgesamt 12 Reisen auf Island sind die, daß nach rund 10.000 gefahren Kilometern auf Asphalt und auf der Piste die Reifen (ich fahre grundsätzlich in Island Winterreifen, da ich häufig im August/September/Oktober unterwegs bin) ca. 4- 5mm an Profil eingebüsst haben. Das mag im strengen Winter durch das Fahren auf Schnee oder Eis weniger sein, aber das sind meine langjährigen Erfahrungen.
Die Auseinandersetzung über die Feinstaubbelastung ist m.E. akademischer Natur. Was viel mehr sichtbar ist, daß die Straßen durch sogenannte Spurrillenbildung erheblich geschädigt werden. Das habe ich zumindest in den vergangenen Jahren beobachten können, da nach starken Regenfällen die Fahrspuren förmlich mit Wasser gefüllt sind. Ähnliches gibt es in Norwegen speziell auf der E6. Wir hatten das in Deutschland bis zum Verbot der Spikes ebenfalls.
Im übrigen ist zwar in der Eruptionswolke des Bardarbunga überwiegend SO2-Gas enthalten, aber mit Sicherheit auch ein erheblicher Anteil von Feinstaub. Dazu ist aber eine wissenschaftliche Analyse notwendig, die mir derzeit nicht zur Verfügung steht. Evtl. könnte hierzu Uwe_R etwas dazu beitragen.
Der Beitrag zur Verkehrssicherheit des Einzelnen bei den in Island vorherrschenden Wetterbedingungen im Winter ist sicher mit Winterreifen und Spikes und dazu evtl. auch Schneeketten signifikant.
Gruß Peturvilhjalmur
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Re: 3 Monate im Winter mit dem Auto (Allrad) - ein paar Frag

Beitrag von Sigrid » Mo 27. Okt 2014, 21:38

Hi.

Weiß nicht ob folgendes hilft, da Länder und klimatische Bedingungen evtl. nicht verbleichbar sind und ich bisher in beiden Ländern noch nicht viel Auto gefahren bin.

Im März war ich mit meinem Auto (Golf, Diesel) in Nordschweden (Abisko). Die Winterreifen waren neu. Es gab viele Eisplatten, Schneeplatten, angetautes Salz/Wasser/Schnee/Split/Eisgemisch, Temperaturschwankungen, einfach nur Schnee oder einfach nur trockene freie Straßen oder einfach nur Eis. Ich hatte mir vorher einen riesen Kopf gemacht und bin letztendlich einfach losgefahren.
2011 sind PetraS und ich im Februar in Norwegen mit einem Golf im Februar (glaube ich) ebenfalls ohne modifizierte (aber neuen) Winterreifen unterwegs gewesen. Auch hier gab es unterschiedliche Straßenverhältnisse.

In Island war ich bisher 2x als Selbstfahrer im Winter unterwegs und hatte bei beiden Autos Spikes, das überließ ich dem Zufall, bzw. der jeweiligen Autovermietung. Spikes sind sicherlich eine psychologische Stütze, sicher fahren und Situationen einschätzen muß man immer noch selber. Die Wohnwagen, die´s letztens von der Straße gefegt hat, hatten sicherlich auch Spikes.

Hier fällt mir ein: Sonnenbrille nicht vergessen. Sonne auf Eis/Schnee/im Schneegestöber im Gegenlicht ist kein Spaß.

Du bist nun drei Monate dort oben und die Möglichkeit, deine Reifen aufzupimpen (entweder schlitzen oder nageln lassen) wird es sicherlich nicht nur in Egilsstadir geben. Bestücke dein Autole mit neuen, etwas höherwertigen Winterreifen und schau wie es vor Ort läuft. Versuch für die Reisekasse ein paar Euros für ´s evtl. aufpimpen der Reifen zurückzulegen. Ein bisschen Zeit hast du ja noch, oder?

Mal so ein Denkansatz von einer ganz anderen Richtung. Nettes Thema. :)

Grüße
Sigrid
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Ein paar meiner Bilder gibt´s da -->Flickr
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Re: 3 Monate im Winter mit dem Auto (Allrad) - ein paar Frag

Beitrag von Parafox » Mo 27. Okt 2014, 21:49

Vielen Dank für Deine Antwort! Winterreifen will(/muss) ich mir ohnehin neue kaufen und da werde ich auch nicht die billigsten nehmen. Von daher kann ich dann auch direkt solche kaufen, die sich mit Spikes bestücken lassen. Das werde ich dann in Egilsstadir erledigen, da habe ich eh ein paar Tage eingeplant. Und am Ende der Reise zwicke ich mir die Dinger wieder raus (bzw. lasse sie rauszwicken). Rein vom Kopf her fühle ich mich mit Spikes besser aufgehoben und irgendwie muss ich langsam auch eine Entscheidung treffen, bevor ich mich zu Tode recherchiere (was ich sehr gut kann...)

Und Eile habe ich definitiv keine, vorausgebucht ist auch nichts. Habe mittlerweile von über 10 Gästehäusern und Pensionen immer die gleiche Antwort: Absolut nicht nötig in der Jahreszeit - ich soll einfach vorbei kommen ;) Das klappt im Sommer definitiv nicht...
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Re: 3 Monate im Winter mit dem Auto (Allrad) - ein paar Frag

Beitrag von Peturvilhjalmur » Mo 27. Okt 2014, 22:02

Já, Du Franke, jetzt bist Du genau am richtigen Punkt angekommen. In der Ruhe liegt die Kraft!
Ordentliche Winterreifen - wie z.B. von Argish und Peter im Bild vorgeführt - sind mehr als die halbe "Miete". Spikes sind bei Eis nicht nur eine scheinbare Hilfe. Wenn man vernünftig - also nicht zu schnell fährt - sind diese Krallen an den Reifen optimal. Dazu kommen ja noch die Lamellen, die sich mit dem weichen Gummi förmlich ins Eis krallen. Damit hat man schon gute Chancen, auf der Straße zu bleiben. Wohnwagen oder Wohnmobile, die trotz Spikesreifen bei Sturm oder Orkanböen von der Straße geweht werden, haben natürlich eine viel größere Angriffsfläche als ein Geländewagen, aber auch da ist Vorsicht geboten. Bei Sturmwarnung und Geschwindigkeiten über 25 - 27m/s würde ich lieber einen sicheren "Hafen" aufsuchen bzw. mit der Nase im Wind stehen bleiben. Werner hat vor einiger Zeit Fotos von einem verwehten Wohnmobil nicht weit von Ásolfskáli in Südisland hier im Forum gezeigt. Von dem verwehten Mobil waren nur noch Kleinteile übrig, da es auch noch über den Weidezaun geflogen war. Der war noch unbeschädigt!#+
Ich glaube, jetzt hast Du genug Infos.
Gruß Peturvilhjalmur
MartinB
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Re: 3 Monate im Winter mit dem Auto (Allrad) - ein paar Frag

Beitrag von MartinB » Di 28. Okt 2014, 16:18

Ich hatte in ISL (im Gegensatz zum festlandskandinavischen Winter) schon einige Situation, wo ich mir Spikes gewünscht hätte. Aber sie sind mit Sicherheit keine Lizenz zum schnell fahren - auch wenn einige Isländer dies scheinbar so sehen.

Ich unterstreiche den Hinweis zum "sicheren Hafen" - die Böen schlagen an einigen Ecken Islands viel schlagartiger zu, als ich das aus anderen Gegenden kenne: So als ob mit einem Riesenhammer gegen das Auto gepocht wird. Ich habe den Eindruck, dass dieser Effekt im Winter (zumindest im Randwinter, im Jan/Feb war ich noch nicht in Island) auch ausgeprägter als im Sommer ist. Meinen T3-Bulli versetzt es da schon mal locker um 2 m - bei Tempo 40.

Gute und unfallfreie Zeit!
Martin
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Re: 3 Monate im Winter mit dem Auto (Allrad) - ein paar Frag

Beitrag von geena837 » Mi 29. Okt 2014, 08:22

Ich hatte meinen Subaru Kombi zum Campmobil umgerüstet. D.h. Standheizung, externe Bordbatterie (Gel). Dazu, vorher mit TÜV abgeklärt, wurden die Seitenscheiben verdeckt und das Auto mit Isolierausbaumaterial von Reimo isoliert. Wagenboden u d quasi hinterr Bereich außer Heckscheibe. Zu den Vordrsitzen mit dickem Wollteppich abgedeckt und aus festem Stoff hinten ein Rollo für die Heckscheibe. Für Lüften ein Dachfenster ausm WoMo, natürlich ein kleines, das man komplett oder halbseitig aufstellen konnte.
Damit war Wintercamping kein Problem.
Ich hatte Licht und ausreichend Wärme, die Standheizung trocknet das Auto auch. Das ist nämlich das größte Problem zumindest im Kombi gewesen, alles wurde quietschnass wenn ich ohne Lüftung im Auto geschlafen habe.
Ich kenne einige Bastler, die ihre Defender fast zum WoMo umgebaut haben :D
Meine Liegefläche hatte noch ein schönes Rückenteil zum bequem sitzen. Noch einen Wechselrichter, dann kriegt Dein Lappy auch immer Saft.
Die meiste Zeit habe ich die Wintertemperaturen moderat in Erinnerung auf Island, es gibt aber richtig heftige Kälteeinbrüche.
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